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Auch demente Menschen sterben

Der Hospizverein am Städt. Krankenhaus lud in der Reihe "Treff um 8" zu einem Vortrag ein. Trotz sommerlichen Wetters fanden sich zahlreiche Zuhörer zu diesem Vortrag von Dr. med. Gerhard Nübel in der Johanneskirche ein. Dies zeigt auch, wie groß der Informationsbedarf in der Bevölkerung zu diesem Thema ist.

Dr. med. G. Nübel schilderte zu Beginn die Gemeinsamkeiten der Hospizarbeit bei Patienten auf der Palliativstation und bei dementen Menschen. Die Grunderkrankungen sind nicht mehr heilbar. Alle Beteiligten ( Angehörige, Ärzte, Pflegepersonal und Hospizmitarbeiter ) sollten versuchen, auf die Lebensqualität des Patienten bestmöglichst zu achten. Wichtig ist hierbei die Wahrnehmung der Bedürfnisse des Patienten und die Kommunikation ( ggf. über Körpersprache, Augenkontakt, ect.).

Demenzkranke sind primär keine sterbenden Menschen – und doch sterben auch sie. Und auch sie haben ein Anrecht auf ein würdevolles Sterben.
Eine Begleitung von dementen Menschen erfordert besondere Erfahrungen. Neben den Ausführungen zu dem Krankheitsbild der Demenz ( Gedächtnisstörungen – Vergessen, Verlegen, Erkennen, Zeitgefühl - Verhaltensauffälligkeiten – Unruhe, Misstrauen, Depression, gestörter Tag-Nacht Rhythmus, Aggression ) und daraus resultierende Konsequenz ( Alltagsaktivitäten werden nicht mehr bewältigt, Einschränkungen der Selbständigkeit, Pflegebedürftigkeit ) berichtetet Dr. med. G. Nübel über das dementielle Lebensbild des Patienten.

Von dem dementen Patienten werden die Prozesse oder Zeitabläufe des Lebens immer weniger empfunden, sie verharren im "ewigen Augenblick". Für sie gibt es kein gestern und kein morgen – sie leben im hier und jetzt. Sie haben ihre eigene, subjektive Realität. Patienten der Palliativstation setzen sich häufig in der Phase des Abschiedes mit dem eigenen Leben auseinander – es erfolge eine Rückschau auf den Lebensweg. Einem dementen Patienten fehlt oft aufgrund des Krankheitsbildes die Introspektionsfähigkeit. Eine Rückschau auf das eigene Leben ist oftmals kaum möglich. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod – dem eigenen, dem Tod anderer oder nahe stehender Personen – erzeugen nur kurzfristig emotionale Reaktionen und erfolgt meistens auch nur situationsbezogen. Die hospizliche Begleitung muss sich daher an den besonderen und teilweise andersartigen Bedürfnissen sterbender Demenzkranker orientieren.

Aufgrund der jahrelange Pflege des Angehörigen und das Miterleben des schleichenden Krankheitsprozesses ist es oftmals für die pflegenden Angehörigen schwer zu erkennen und zu akzeptieren, dass die Phase des Abschieds begonnen hat. Daher ist in diesen Begeleitungen auch eine intensive Integration der Angehörigen sinnvoll.

Das Wissen um das Krankheitsbild, Verständnis für den Patienten und die Angehörigen, vermitteln des Gefühls des Geborgenseins, eine möglichst stressfreie Umgebung, Wahrnehmung der Symptome und Emotionen bei Patienten und Angehörigen, akzeptieren der Handlungen des Patienten und Angehörigen, professionelle Linderung der Symptome wie Schmerzen oder Ängste insbesondere beim Patienten – Dr. med. Gerhard Nübel zeigte viele Wege auf, wie Angehörige, Betreuende und Pflegende ihre schweren Anforderungen in der hospizlichen Begleitung dementer Menschen bewältigen können.