Wenn nichts mehr hilft - palliative Sedierung am Lebenende

Mit den Möglichkeiten der hospizlichen Begleitung und palliativen Behandlung können heute viele Menschen friedlich und ohne belastende Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot die letzte Zeit ihres Lebens verbringen.

Bei einigen Patienten gelingt dies jedoch nicht in zufriedenstellender Weise, sei es, dass körperliche Beschwerden trotz intensiver palliativer Therapie bestehen bleiben, sei es dass emotionale oder spirituelle Belastungen das Leben unerträglich werden lasssen. Wie können wir diesen Menschen am Ende ihres Lebens dennoch helfen?

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, in dieser Situation den Menschen eine Sedierung anzubieten. Darunter versteht man die Gabe von Beruhigungs- oder Schlafmitteln, damit das unerträgliche Leiden nicht bei vollem Bewußtsein ausgehalten werden muss.

Dieses Vorgehen bezeichnet man als palliative oder terminale Sedierung. Darunter versteht man den Einsatz sedierender Medikamente mit dem Ziel, unerträgliches Leiden durch eine Einschränkung des Bewußtseins zu lindern.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein solches Vorgehen gerechtfertig ist?

Zunächst müssen alle anderen Optionen, wie Schmerztherapie, Symptomkontrolle und psychologische und spirituelle Begleitung ausgeschöpft worde sein, ohne dass es zu einer Verbesserung der Situation gekommen ist. Der Patient muss über diese Maßnahme informiert und einverstanden sein. Hier wird der Arzt mit dem Betroffenen besprechen, ob die Sedierung durchgehend oder zunächst nur für eine bestimmte Zeit erfolgen soll. Auch die Frage wie tief die Bewusstseinseinschränkung zur Linderung der Beschwerden sein muss, ist im Einzelfall zu klären. Nicht immer ist eine tiefe Sedierung bis zur Bewußtlosigkeit erforderlich. Eine intensive Begleitung von Patient und Angehörigen in dieser Zeit erfolgt durch ein Team aus verschiedenen Fachleuten und Berufsgruppen.

Aus ethischer Sicht steht hierbei eine Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Dadurch unterscheidet sich die palliative Sedierung eindeutig von der aktiven Euthanasie oder dem unterstützen Suizid, da hierbei die Tötung des Patienten als primäres Ziel der Handlung gesehen werden muss. Durch den Einsatz der sedierenden Medikamente kann es in seltenen Fällen zu einer Verkürzung der Überlebenszeit kommen. Wenn keine anderen Alternativen zur Verfügung stehen, wäre dies durch das Prinzip der indirekten Euthanasie gerechtfertigt. 

Die palliative Sedierung ist deshalb als ultima ratio bei unerträglichem Leiden ein
Bestandteil guter Sterbebegleitung. Sie ermöglicht auch in schwierigen Situationen ein würdevolles Sterben in autonom gewählter Entscheidung.


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