Nicht nur zu Weihnachten: letzte Wünsche

Haben Sie auch als Kind einen Wunschzettel geschrieben? Spielzeugkataloge angesehen, Heiß-Begehrtes ausgeschnitten und aufgeklebt und im schön verzierten Umschlag ans Christkind gesendet? Und – oh Wunder – lagen dann hoffentlich am Heiligabend Carrerabahn, Puppenhaus und Legopackung unter dem Tannenbaum.

Mit der Zeit haben sich die Wünsche verändert. Wir sind groß geworden, und mit uns oft auch unsere Wünsche. Ein neuer Fernseher. Eine Reise. Oder man kommt irgendwann sogar an den „Wir schenken uns nichts mehr- Punkt“, weil wir einfach schon alles zu haben scheinen.

Und dann, irgendwann, am Ende des Lebens – was wünscht man sich da? Was haben wir für Wünsche, wenn wir wissen, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt? Im Hospiz vertrauen uns manchmal Menschen diese letzten Wünsche an.

Da war zum Beispiel ein Gast, der noch einmal sein Glück versuchen wollte: in einer Spielhalle. Ein ehrenamtlicher Helfer hat ihn dorthin begleitet. Das große Geld gemacht haben die beiden dabei nicht – aber jemand durfte noch einmal etwas tun, das vielleicht ein herrliches kleines bisschen unvernünftig war.

Oder die Frau, die einfach so gerne noch einmal den Apfelkuchen nach ihrem alten Familienrezept essen wollte. Genau nach ihren Anweisungen hat eine Mitarbeiterin den Kuchen zubereitet – und dann wurde gemeinsam gekostet. Ein Bissen Erinnerung. Vielleicht erfüllt der Apfelkuchen den Wunsch nach dem Gefühl, wie es früher einmal war, als alles noch „normal“ war?

Und dann gab es da zum Beispiel den Wunsch eines Herrn an seinem Lebensende, zu wissen, dass ganz konkret eine Erinnerung an ihn bleibt: „Ihr sollt im Garten einen Kirschbaum für mich pflanzen – und jedes Jahr zur Kirschenerntezeit komme ich nach dem Marmeladekochen meiner Familie immer noch aufs Butterbrot!“

Ein bestimmtes Lied noch einmal zu hören, seinen Hund noch einmal zu sehen – was immer die letzten Wünsche sind, wir versuchen, so gut es geht, sie zu erfüllen. Hier geht es nicht mehr um höher, schneller, weiter, mehr.

Auch wenn die letzten Wünsche materiell gemessen oft sehr klein scheinen: es geht ums Wesentliche. Es geht um die Fragen: was ist mir am Ende des Lebens noch wirklich wichtig? Was habe ich immer gern gemocht? Was wollte ich eigentlich noch erleben?

Vielleicht sind diese Fragen ja auch eine spannende Inspiration für den Weihnachts-Wunschzettel „mitten im Leben“ …

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